Pflichtenheft-Vorlage für Software
Die Vorlage zum Kopieren, und warum ein Pflichtenheft vor allem eines leisten muss: Jede Anforderung aus dem Lastenheft wiederfinden.
Grundlage
Die Begriffe folgen DIN 69901-5 und VDI 2519. Die Rückverfolgbarkeitsmatrix entspricht der Forderung nach Nachverfolgbarkeit in ISO/IEC/IEEE 29148. Gliederung und Beispiel sind unsere eigenen; das Beispiel setzt das Lastenheft-Beispiel fort und ist erfunden. Wir haben nicht gemessen, wie oft Anforderungen zwischen Lastenheft und Umsetzung verloren gehen; eine Zahl dazu steht deshalb hier nicht.
Was ein Pflichtenheft ist
Das Pflichtenheft ist die Antwort des Auftragnehmers auf das Lastenheft: Er beschreibt, wie er die Forderungen des Auftraggebers umsetzen wird. DIN 69901-5 nennt es die vom Auftragnehmer erarbeiteten Realisierungsvorgaben auf Grundlage des Lastenhefts. Mit der Freigabe durch den Auftraggeber wird es oft Vertragsbestandteil.
Das Lastenheft gehört dem Kunden, das Pflichtenheft dem Lieferanten. Wer beides in ein Dokument mischt, verliert die Unterscheidung, um die es geht: was gefordert war und was zugesagt wurde.
Die Vorlage
# Pflichtenheft: <Projektname>
Bezug: Lastenheft <Version, Datum> · Version: 0.1 · Verantwortlich: <Name>
## 1. Zusammenfassung der Lösung
Was gebaut wird, in einem Absatz. Für Leser, die nur diesen lesen.
## 2. Umsetzung der Anforderungen
### PH-001 → LH-001: <Titel>
- Umsetzung: Wie die Anforderung erfüllt wird.
- Betroffene Komponenten: …
- Nachweis: Welcher Test oder welche Abnahmeprüfung die Erfüllung zeigt.
- Abweichung vom Lastenheft: keine / <welche, und warum>
## 3. Systemarchitektur
Komponenten, Hosting, eingesetzte Technologien, und warum.
## 4. Schnittstellen
| Schnittstelle | Richtung | Format | Verantwortlich |
|---|---|---|---|
## 5. Datenmodell
Die wichtigsten Entitäten und Beziehungen. Personenbezogene Daten markieren.
## 6. Nichtfunktionale Umsetzung
Wie Antwortzeit, Verfügbarkeit, Sicherheit und DSGVO erreicht werden.
## 7. Testkonzept und Abnahme
Testebenen, Testdaten, Abnahmeverfahren.
## 8. Rückverfolgbarkeit
| Lastenheft | Pflichtenheft | Test | Status |
|---|---|---|---|
| LH-001 | PH-001 | T-001, T-002 | offen |
## 9. Nicht umgesetzt / Annahmen
Was aus dem Lastenheft bewusst nicht oder anders umgesetzt wird,
und welche Annahmen getroffen wurden.Ein ausgefülltes Beispiel
### PH-002 → LH-002: Tageslimit mit Ausnahme für dringende Fälle
- Umsetzung: Das Limit (Standard 40, in den Praxiseinstellungen änderbar)
wird nur in der öffentlichen Buchung geprüft. Termine, die die Rezeption
mit dem Merkmal „dringend“ anlegt, zählen nicht gegen das Limit.
- Betroffene Komponenten: Buchungs-API, Kalender, Rezeptionsoberfläche
- Nachweis: T-004 (Limit erreicht, Online-Buchung zeigt keinen Termin),
T-005 (dringender Termin trotz erreichtem Limit angelegt)
- Abweichung vom Lastenheft: keine
- Annahme: Nur Benutzer mit der Rolle „Rezeption“ dürfen „dringend“
setzen (offene Frage F-1 im Lastenheft, bis KW 46 zu bestätigen).Die Rückverfolgbarkeitsmatrix ist der Kern
Ein Pflichtenheft kann gut geschrieben sein und trotzdem scheitern, weil eine Anforderung aus dem Lastenheft schlicht nicht vorkommt. Die Matrix in Abschnitt 8 macht das sichtbar: jede LH-ID links, und rechts, wo sie umgesetzt und wie sie geprüft wird. Eine leere Zeile ist ein Befund, bevor eine Zeile Code geschrieben ist.
Prüffrage
Gibt es eine LH-ID ohne PH-Eintrag oder ohne Test? Dann ist das Pflichtenheft nicht fertig, egal wie viele Seiten es hat.
Das Problem: Die Matrix wird einmal gepflegt und dann nie wieder. Sobald die Umsetzung läuft, ändern sich Anforderungen, Tests kommen dazu, und der Status in der Tabelle stimmt nicht mehr.
Wenn ein KI-Agent umsetzt
Arbeitet das Team mit einem KI-Coding-Agenten, schreibt der Agent faktisch einen Teil des Pflichtenhefts selbst: Er plant die Umsetzung, bevor er Code schreibt. Werkzeuge für spezifikationsgetriebene Entwicklung (englisch) machen genau diesen Plan zu einem eigenen Dokument. Die Rückverfolgbarkeit bleibt aber dieselbe Frage: Welche Anforderung setzt dieser Code um, und welcher Test beweist es?
In Entalpa bleibt diese Matrix aktuell, weil sie nicht von Hand gepflegt wird. Jede Anforderung hat eine feste ID; ein über MCP verbundener Agent meldet beim Umsetzen Status, Code-Referenzen und Tests an genau diese Anforderung zurück. Die Oberfläche ist derzeit englisch.
Häufige Fragen
Wer schreibt das Pflichtenheft?
Der Auftragnehmer, also der Dienstleister oder das interne Entwicklungsteam. Der Auftraggeber prüft und gibt es frei.
Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?
Das Lastenheft sagt, was gefordert ist (Auftraggeber). Das Pflichtenheft sagt, wie es umgesetzt wird (Auftragnehmer). Die Gegenüberstellung steht in der Lastenheft-Vorlage.
Ist das Pflichtenheft verbindlich?
Wenn es vom Auftraggeber freigegeben und im Vertrag in Bezug genommen wird, beschreibt es in der Regel den geschuldeten Leistungsumfang. Für die rechtliche Bewertung Ihres konkreten Vertrags fragen Sie bitte Ihre Rechtsberatung.
Darf ich die Vorlage kostenlos verwenden?
Ja, ohne Einschränkung und ohne Anmeldung.
Anforderungen aus einer Beschreibung entwerfen
Beschreiben Sie Ihr Vorhaben in zwei, drei Sätzen. Entalpa entwirft Stakeholder, User Stories und Anforderungen mit Akzeptanzkriterien – und stellt Ihnen die Fragen, die sonst erst bei der Abnahme auftauchen. Die Oberfläche ist derzeit englisch, Ihre Inhalte können deutsch sein.
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